Golfen im Winter geht in Österreich auf vielen Plätzen, solange kein Reif auf dem Gras liegt. Rechnen Sie mit Wintergrüns, Matten oder Besserlegen. Und mit kürzeren Drives: Laut Trackman-Messungen des Golflehrers Andrew Rice fliegt der Ball bei minus 1 Grad rund 7 Meter weniger weit als bei 21 Grad. Wer das einplant, nutzt die ruhigen Monate für das, was im Sommer zu kurz kommt.

Warum ist der Golfplatz bei Frost gesperrt?

Weil gefrorenes Gras bricht. Bei Frost bilden sich Eiskristalle in den Graspflanzen, und jeder Schritt kann die Zellen zerreißen (USGA). Die Schäden zeigen sich oft erst später, und bis sich ein Grün erholt hat, kann mehr als ein Monat vergehen. Ein einziger Viererflight macht auf jedem Grün 300 Schritte oder mehr.

Fußspuren auf einem bereiften Grün am frühen Morgen

Bild: KI-generiert

Ein Merkblatt zum Winterbetrieb, das der Golfclub Donnerskirchen veröffentlicht, ist da deutlich: Bei Reif gilt ein absolutes Betretungsverbot für alle Grünflächen (Merkblatt Winterbetrieb, 2022). Die Folgen reichen über den Winter hinaus. Geschwächtes Gras wird anfälliger für Krankheiten, verdichteter Boden fördert Unkräuter wie die Einjährige Rispe (Poa annua), und manche Schäden an Grüns zeigen sich erst Jahre später.

Für Ihre Planung heißt das: Eine Startzeit am frühen Morgen ist im Winter ein Glücksspiel, weil zuerst der Reif weg muss. Buchen Sie lieber um die Mittagszeit und schauen Sie vor der Abfahrt auf die Website Ihres Clubs. Ob und wann ein Platz öffnet, entscheidet jeder Club selbst, je nach Mikroklima, Boden und Nutzung.

Welche Winterregeln gelten auf dem Platz?

Im Winter spielen Sie selten den Platz, den Sie aus dem Sommer kennen. Welche Erleichterungen gelten, legt die Spielleitung in Platzregeln fest. Die Golfregeln selbst ändern sich nicht (mehr dazu in den wichtigsten Golfregeln).

Was bedeutet Besserlegen?

Besserlegen heißt: Sie dürfen den Ball auf dem Fairway straflos aufnehmen, reinigen und innerhalb eines festgelegten Bereichs wieder hinlegen, nicht näher zur Fahne. Das ist keine automatische Winterregel. Die Spielleitung führt sie als Platzregel ein, wenn der Platz flächendeckend in schlechtem Zustand ist, und hebt sie wieder auf, sobald es besser wird (R&A, Winter Rules FAQ). Wie groß der Bereich ist, steht in der Platzregel: zum Beispiel 15 Zentimeter, eine Scorekartenlänge oder eine Schlägerlänge.

Sie legen den Ball nur einmal hin. Rollt er danach weg, etwa durch Wind, spielen Sie ihn von dort. Markieren vor dem Aufnehmen ist empfohlen, ohne Markierung gibt es aber keine Strafe.

Lesen Sie den Aushang, bevor Sie den Ball anfassen. Wie teuer ein Irrtum werden kann, zeigt Marcel Siem: Er legte 2019 bei der Open de France fünfmal besser, obwohl die Platzregel gar nicht galt, und zog sich danach vom Turnier zurück (Golf Monthly).

Matten, Wintergrüns und Trolleyverbot

Mit der Musterplatzregel E-12 kann die Spielleitung Matten auf allen oder einzelnen Fairways vorschreiben, nur Putts sind ausgenommen (R&A). Statt der echten Grüns spielen Sie oft auf Wintergrüns, die der Club eigens absteckt.

Das Trolleyverbot ärgert viele. Der Grund ist handfest: Ein Golfer mit Trolley belastet etwa die zehnfache Fläche eines Golfers zu Fuß, ein Cart die fünfzigfache, und ein Cart drückt ungefähr doppelt so stark auf den Boden wie ein Trolley (Merkblatt Winterbetrieb). Ein leichtes Tragebag mit halbem Schlägersatz ist im Winter deshalb die bessere Wahl.

Ob eine Runde mit Besserlegen, Matten oder Wintergrüns für Ihr Handicap zählt, regeln die Handicap-Vorgaben Ihres Verbands und die Spielleitung Ihres Clubs. Fragen Sie im Sekretariat nach, bevor Sie eine registrierte Privatrunde anmelden.

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Wie viel kürzer fliegt der Golfball bei Kälte?

Messbar kürzer, aber weniger, als die meisten glauben. Andrew Rice, einer der Top-100-Lehrer des US-Magazins GOLF, hat das 2018 mit Trackman gemessen. Seine Faustregel: Mit dem Driver verlieren Sie rund 1,8 Meter pro 10 Grad Fahrenheit (5,6 °C) Temperaturabfall (GOLF.com).

TemperaturDrive im Beispiel
21 °C228,6 m
10 °C225,1 m
−1 °C221,7 m

Grundlage ist Rices Tabelle mit 250 Yards bei 21 °C, hier in Meter umgerechnet. Ihre eigenen Längen weichen davon ab. Beim Pitching Wedge sind es nur etwa 1,2 Meter pro 5,6 Grad. Der Winter kostet Sie also vor allem bei den langen Schlägen ein paar Meter, die kurzen Distanzen bleiben fast, wie sie sind.

Was ziehen Sie zum Golfen im Winter an?

Mehrere dünne Schichten statt einer dicken Jacke. Sie müssen sich auf der Runde nach dem Wetter richten können und trotzdem frei schwingen. Bewährt hat sich diese Kombination:

Machen Sie mit der Jacke vor dem Kauf einen vollen Probeschwung. Wenn die Ärmel im Durchschwung ziehen, ist sie für den Golfplatz die falsche. Was sonst ins Bag gehört, steht in der richtigen Golf-Ausrüstung.

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Wie nutzen Sie den Winter fürs Training?

Die Winterrunde ist selten der Moment für Bestwerte. Sie ist die Zeit für das kurze Spiel, für das im Sommer zwischen Turnieren und Feierabendrunden kaum Platz bleibt. Chippen und Putten auf Wintergrüns schult das Gefühl für Distanzen, auch wenn die Grüns langsamer sind.

Für den vollen Schwung sind Abschlagplätze mit Überdachung oder Heizstrahlern auf der Driving Range und Indoor-Anlagen mit Simulator die Alternative, wenn der Platz zu ist. Arbeiten Sie dort an einem einzigen Punkt, etwa am Griff oder an der Ansprechposition, statt Bälle zu zählen (Grundlagen dazu im Artikel über Golfschwung und Technik).

Und wer im Frühling die Platzreife machen will, lernt jetzt am besten die Theorie. Regeln und Etikette sitzen dann schon, wenn der Kurs beginnt. Wie die Prüfung in Österreich abläuft, steht in Der Weg zur Platzreife.

Häufige Fragen zum Golfen im Winter

Zählt eine Winterrunde für das Handicap?

Das hängt von den Handicap-Vorgaben Ihres Verbands und den Platzregeln ab, die Ihr Club im Winter einführt. Besserlegen, Matten und Wintergrüns verändern den Platz gegenüber seinem gewerteten Zustand. Fragen Sie deshalb im Sekretariat Ihres Clubs, ob Runden unter den aktuellen Winterbedingungen gewertet werden, bevor Sie eine Privatrunde anmelden oder ein Winterturnier spielen.

Gilt Besserlegen auch im Rough?

In der Regel nicht. Die R&A sieht die Platzregel zum Besserlegen normalerweise nur für Bälle auf dem Fairway vor, im Rough spielen Sie den Ball also, wie er liegt. Was auf Ihrem Platz genau gilt, steht im Aushang Ihres Clubs. Lesen Sie ihn vor der Runde, denn wer ohne gültige Platzregel besser legt, verstößt gegen die Golfregeln.

Warum darf ich im Winter oft keinen Trolley mitnehmen?

Weil Trolleys den aufgeweichten oder gefrorenen Boden stärker belasten als Fußgänger. Laut einem Merkblatt zum Winterbetrieb betrifft ein Golfer mit Trolley etwa die zehnfache Fläche eines Golfers zu Fuß, weil die Räder immer wieder dieselben schmalen Spuren belasten. Ein Cart wirkt auf die fünfzigfache Fläche. Ein leichtes Tragebag mit wenigen Schlägern löst das Problem.

Lohnt sich Golf im Winter?

Ja, wenn Sie nicht für den Score spielen. Mittags auf einen offenen Platz, kurzes Spiel üben, Platzregeln lesen, warm bleiben: Mehr braucht die Winterrunde nicht. Die spannendere Frage stellt sich im März. Was können Sie dann besser als im Oktober?